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KTM 1290 Super Adventure R: Superbike im Offroad-Kleid

Mit der Super Adventure R schickt der österreichische Hersteller einen wahren Boliden im On-/Offroad-Segment an den Start.

Das R-Modell soll die Wüsten-Königin innerhalb der 1290 Super Adventure-Baureihe von KTM sein, die erklärte Offroad-Spezialistin, das Wühltier. Alleine schon das 21-Zoll-Vorderrad und 220 Millimeter Federweg vorne wie hinten unterstreichen ihre Ambitionen fürs Gröbere, heben die R ab von ihren gedrungener wirkenden, optisch näher am Asphalt operierenden Schwestern mit den Kürzeln S und T in der Modellbezeichnung.

Ein Monument von Motorrad
Doch – wie das im übrigen auch bei den beiden anderen Super Adventures der Fall ist – kann auch die R eines nicht verhehlen: Sie ist und bleibt ein Technik-Monument, ein vollgetankt knapp 250 Kilo schweres Brachial-Geschmeide aus Stahl und Kunststoff, ein Motorrad-Massiv, das dem Betrachter seine Üppig- und Urwüchsigkeit in Form von satt dimensionierten Fahrwerkskomponenten, einem voluminösen Spritfass (23 Liter), einer hoch aufragenden Silhouette und einer Respekt gebietenden Sitzhöhe von 890 Millimetern entgegenschmettert. Diesen Berg von Bike muss man erklimmen, so etwas haut man nicht einfach mal mit Verve ins Gelände. Man zirkelt es eher mit Ehrfurcht und Bedacht über den – topografisch vielleicht nicht allzu anspruchsvollen – Feldweg.

Fahrerlebnis
Den ganzen Menschen fordert auch das aus einem fetten Hubraum von 1.301 Kubikzentimetern schöpfende V2-Aggregat der Super Adventure. Das Triebwerk, das eine Nennleistung von schieren 118 kW/160 PS entwickelt, schiebt das Bike über das gesamte Drehzahlband hinweg derart vehement an, dass viel Selbstdisziplin vonnöten ist, will man nicht immer und überall Gefahr laufen, den eigenen Lappen auf Nimmerwiedersehen im Staatsarchiv zu versenken. Einen großen Anteil an der überragenden Performance und Fahrstabilität, die die Super Adventure kennzeichnen, haben die feinfühlig ansprechenden Feder- und Dämpferkomponenten aus der KTM-eigenen Schmiede WP, vor allem aber die auf allen Untergründen und bei allen Temperaturen hervorragend agierenden Pneus von Conti, die zum Fahrerlebnis Super Adventure R ab Werk ihr Modell Trail Attack II beisteuern.

Elektronische Vollversorgung
Die Super Adventure lässt so gut wie nichts an Ausstattungsmerkmalen der Motorrad-Neuzeit vermissen und liefert elektronische Vollversorgung – inklusive Kurvenlicht, Transponderschlüssel (der an unserer Testmaschine bisweilen zickte), Handy-Fach mit USB-Anschluss, schräglagenabhängig regelndes Kurven-ABS inklusive Offroadmodus, mehrstufige, abschaltbare Traktionskontrolle, Tempomat und ein Vierfarb-Display von Bosch, das neue Dimensionen in Sachen Darstellungsqualität und Ablesbarkeit eröffnet. Wunderbar funktioniert haben auch die aus dem umfangreichen Zubehör-Katalog zukonfigurierbaren Features wie Quickshifter und eine Berganfahrhilfe namens Hill-Hold-Control.

Das passt
Auch in Sachen Ergonomie gibt sich KTM bei der Super Adventure keine Blöße. Vielfache Verstellmöglichkeiten bei Lenker und Fußrasten lassen jeden Fahrer die passende Position finden – es sei denn, er unterschreitet nicht wesentlich das Gardemaß von 1,80 Metern Körpergröße, das aus unserer Sicht für ein erquickliches Miteinander von Mensch und Maschine mindestens nötig ist.

Unsere Einschätzung
Die KTM Super Adventure 1290 R ist ein hervorragendes Stück Technik. Brachial stark, brachial schnell – moderner Motorradbau in seiner besten und schönsten Form. Keine Frage. Der Preis – an unserer Testmaschine waren es über 18.000 Euro – geht für so viel gut durchdachtes, gut bestücktes, gut verarbeitetes und gut designtes Bike vollkommen in Ordnung. Allein am designierten Verwendungszweck scheiden sich die Geister: Wer sich mit den knapp 250 Kilo der Super Adventure – so wie es das Marketing der Mattighofener inszeniert – ins Gelände wagt und dabei noch auf Kostenverträglichkeit schielt, sucht die wahre Herausforderung, die dieses Bike zu bieten hat.

Technische Daten
Flüssigkeitsgekühlter V-Zweizylinder-Viertaktmotor, Hubraum: 1.301 ccm. Nennleistung: 118 kW (160 PS), max. Drehmoment: 140 Nm. Anti-Hopping-Kupplung, mechanisch betätigt; 6-Gang-Getriebe; Kettenantrieb. Leergewicht fahrfertig und vollgetankt: um die 250 kg. Tankvolumen: 23 Ltr., Testverbrauch: 5,4 l, Reichweite: ca. 425 km. Reifen: 90/90-21 vorn, 150/70 ZR18 hinten. Doppelscheibenbremse vorn (Ø 320 mm), 4-Kolben Radial-Festsattel; Einscheibenbremse hinten (Ø 267 mm), Zwei-Kolben-Festsattel. Schräglagenabhängiges Kurven-ABS Bosch 9 ME. Grundpreis: 16.995 Euro.


(Video: Hersteller)