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BMW R 1200 GS: Potenter Alleskönner, agile Fahrmaschine

Ihren Bestseller-Status trägt die R 1200 GS von BMW völlig zu Recht: Der Bayern-Bolide überzeugt in unserem Test auf ganzer Linie.

Draufsetzen, Gang einlegen, losfahren, wohlfühlen. Die GS ist ein intuitiv zu fahrendes Motorrad. Trotz elektronischer Vollausstattung unseres Testexemplars – Transponder statt Zündschlüssel, elektronisches Fahrwerk, Traktionskontrolle, Schaltassistent, Berganfahrhilfe und, und, und – gelingt die Bedienung auf Anhieb mühelos.

Die Mechanik, vor allem das für 2017 umfassend überarbeitete Sechsgang-Getriebe, agiert so effektiv wie unauffällig, der nominal 125 PS (92 kW) starke Vierventilboxer zieht bei Bedarf mit sonorem Brummen kräftig durch, lässt aber auch schaltfaules Cruisen bei sehr moderater Schallkulisse zu. Die ABS-unterstützte Teil-Integral-Bremse gibt sich äußerst feinfühlig, packt im Bedarfsfall aber auch mal brachial zu.

Das elektronisch in mehreren Härtegraden regulierbare Fahrwerk stellt unter allen Einsatzbedingungen einen guten Kontakt zum Untergrund her und vermittelt – unterstützt von einer äußerst intelligenten Massenverteilung – den Eindruck, auf einem wesentlich leichteren Bike zu sitzen. Beinahe spielerisch lässt sich der 250-Kilo-Brummer um die winkligsten Ecken zirkeln, schnelle Schräglagenwechsel gehen federleicht von der Hand.

Der Ab-Werk-Zubehörkatalog, aber auch der Output von den zahlreichen Zubehör-Spezialisten des Marktes für die GS ist inzwischen so groß geworden, dass despektierliche Stimmen das Motorrad schon als den „Fendt-Geräteträger“ unter den Zweirädern abtun. Wir betrachten das aber lieber als Kompliment. Und als starkes Statement des Markts für ein – nicht nur im physischen Sinne – großes Motorrad, das die Bestseller-Krone in Deutschland wie in vielen anderen Ländern völlig zu Recht trägt.

Unsere Einschätzung:
Die GS kann so ziemlich alles (die Rennstrecke lassen wir jetzt einfach mal weg). Sei es die schnelle Landstraßenhatz oder eine gemütliche Pässe-Tour, sei es ein forcierter Ritt über die Feldwege des Umlands oder das sonntägliche Flanieren vor der Eisdiele: Der Bayern-Bolide erledigt alle Aufgaben lässig und bravourös.

Die GS ist in ihrem nunmehr 37. Modelljahr seit Vorstellung der Ur-GS 1980 gleichsam zum Motorrad gewordenen Schweizer Taschenmesser avanciert, zum Universaltool, das kein Einsatzgebiet zu scheuen braucht. Das vor allem keine nennenswerten Schwächen mehr besitzt. Bärenstarker Motor, neutrales Getriebe, hochagiles, gleichzeitig superstabiles Fahrwerk, zupackende Bremsen, intuitive Handhabung: Fahranfänger fühlen sich auf der GS selten überfordert, Altgediente im Sattel bleiben kaum ungerührt.

Gerade dieser überbreite Ansatz aber, diese Allgefälligkeit, birgt die größte Gefahr für das Konzept GS: Dass nämlich jegliche Ecken und Kanten verloren gehen. Die ein echter Kerl, der die GS zweifellos sein will, aber zwingend braucht, um seinen Charakter, seine Kernigkeit zu bewahren.

Technische Daten:

  • Luft-/Flüssigkeitsgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, Hubraum: 1.170 ccm. Nennleistung: 92 kW (125 PS) bei 7.750 U/min, max. Drehmoment: 125 Nm bei 6.500 U/min.
  • 8-Scheiben-Nasskupplung mit Anti-Hopping Funktion
  • Kardanantrieb
  • Leergewicht fahrfertig und vollgetankt: 244 kg, zul. Gesamtgewicht: 460 kg
  • Tankvolumen: 20 Ltr., Testverbrauch: 5,3 Ltr., Reichweite: ca. 370 km
  • Reifen: 120/70 R 19 vorn, 170/60 R 17 hinten
  • Doppelscheibenbremse mit 4-Kolben-Radialbremssätteln vorn (Ø 305 mm), Einscheibenbremse hinten (Ø 276 mm) mit Doppel-Kolben Schwimmsattel
  • Grundpreis: 15.150 Euro, Preis Testmotorrad: mehr als 20.000 Euro

 


(Video Hersteller)
Passende Fahrerausrüstungsteile haben wir ebenfalls mitgetestet. Etwa die Textilkombi „Carlsbad“ des amerikanischen Herstellers Klim oder die Stiefel „ADV Tourer“ des italienischen Anbieters Forma.